(Erschienen in Aus Politik und Zeitgeschichte, 51/52, 2011)
Wyoming ist eine Hochburg der Republikaner. Republikanischer geht es nicht, als in diesem menschenleeren Bundesstaat der hohen Prärie, der kargen Rocky Mountains und der steifen Cowboyhüte. Nirgendwo sonst hat ein so großer Anteil der Bevölkerung 2008 den republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain gewählt (65 Prozent). In keinem anderen Bundesstaat besitzen so viele Bürger eine Waffe (60 Prozent). Entsprechend sind die Botschaften der Aufkleber auf den großen pickup trucks, die – oft mit Gewehr im Hinterfenster – auf den Straßen Wyomings unterwegs sind: “Barack Hussein Obama: Clear and Present Danger!” oder “I Love My Country, I Fear My Government” oder “The Government Puts Thieves in Jail. It Doesn’t Like the Competition”. Der Bundesstaat liegt auf einer hohen, kalten Ebene in the middle of nowhere. Die 563000 Menschen, die dort leben, verteilen sich auf einer Fläche, die etwa vier Fünftel der Fläche Deutschlands entspricht. Wyoming hat zwar wenige Einwohner, dafür aber pro Kopf überdurchschnittlich viel Einfluss in Washington. Die Rancher und Eisenbahner, Bergbauer und Ölfeldarbeiter, Lastwagenfahrer und Windmastenbauer (sowie alle anderen) werden in der US-Hauptstadt von zwei Senatoren und einer Repräsentantin vertreten. Und bei der Präsidentschaftswahl am 6. November 2012 stellt Wyoming drei Wahlmänner, also je einen pro 187000 Bürger. Das demokratisch regierte Kalifornien dagegen vereint auf jeden Wahlmann 676000 Bürger (37,2 Millionen Einwohner, 55 Wahlmänner).
Was ist mit der NATO los? Sie ist aktiver als je zuvor, doch jeder meint, sie stehe kurz vor dem Aus. Amerika will nicht mehr mit ihr. Europa kann nicht mehr mit ihr. Liegt das erfolgreichste Sicherheitsbündnis aller Zeiten in den letzten Zügen?
Viele Meinungsmacher teilten die Ansicht des außenpolitischen Experten Michael Mandelbaum, der in seinem Buch “Sparsame Supermacht” uns folgende Weisheit schenkte: „Die Politik, amerikanische Militärkräfte dazu zu benutzen, um Menschen zu schützen, die von ihrer eigenen Regierung verfolgt werden – was die USA in Somalia, Haiti, Bosnien und Kosovo unternommen hat – wird nicht wiederholt.“ Akzeptierte Wahrheiten sind schnell überholt. Wer sagte „keine Bodentruppen“? Heute lesen wir von CIA-Beratern und Zielerfassern unter den libyschen Rebellen. Das ist die normative Kraft des Faktischen. Neue politische Rahmenbedingungen bringen neue Sachzwänge.
Wohin will man in einer Zeit überholter Wahrheiten? Mit taktischem Geschick und strategischer Weitsicht ist man gut bedient. Was heisst das für Europa? Es geht seit eh und je um die Peripherie: Das europäische Umland muss europäischer gemacht werden. Wenn möglich, durch Hilfe zur Selbsthilfe; wenn nötig, mit erster Hilfe um die Selbsthilfe erst möglich zu machen. Erstaunliche Möglichkeiten und genau so erstaunliche Gefahren lauern am anderen Ufer des Mittelmeers.
In diesen Tagen unerwarteter Geschehnisse kam es höchst unerwartet, dass der UNO-Sicherheitsrat eine Resolution verabschieden konnte, die eine militärische Intervention in Libyen unterstützte. Nur die Entscheidung der arabischen Liga voriger Woche, ein Flugverbot über Libyen zu fordern, kam überraschender. Internationale Zusammenarbeit in Krisenzeiten – immer erwünscht, selten errungen. Aber jetzt schließt sich die internationale Gemeinschaft zusammen wie selten zuvor. Und just in diesem Moment kommt die größte Überraschung überhaupt. Das modellhaft multilateralistische Deutschland steht außen vor–mit Möchtegern-Nationalisten China, Russland, Indien, und Brasilien. Read more »
Ayatollah Ali Khamenei und Präsident Mahmud Ahmadinedschad
von Andrew Denison
Mubarak ist weg. In Ägypten herrscht (weiter) das Militär. Der Weg zur Demokratie, zur begrenzten, transparenten Staatsmacht bleibt noch lang und schwer. Doch der erste, wichtigste Schritt ist getan. Die Gesellschaft hat sich mobilisiert, organisiert, und dizipliniert. Keine Autobomben in den Marktplätzen, sondern friedliches Durchharren bis zum Ende. Mit den Tahriris hat sich eine neue, stolze, hoffnungsvolle, gut vernetzte Generation gemeldet.
Ägypten ist eine der drei Drehscheiben des Nahen Ostens—des Europa sehr nahen Ostens. Die Türkei und Iran stellen die anderen zwei Machtzentren dieses europäischen Umlands. Die Türkei ist sehr europäisch, das neue Ägypten hoffentlich bald auch. Der Iran, jedoch, bleibt weiterhin das größte Hindernis zu Öffnung, Aufklärung und Wohlstand im Nahen Osten.
Vor gut drei Jahren führten Immobilienkredite an Gläubiger mit schlechter Bonität zur sogenannten Hypothekenkrise, mit welcher viele US-amerikanische Familien bis heute zu kämpfen haben. Obwohl es zwischenzeitlich zwar etwas ruhiger geworden war, ist die Hypothekenkrise mitnichten ausgestanden. Sie hat sich nur verlagert. Waren im Jahre 2007 in erster Linie die Fondsgesellschaften noch die großen Verlierer der Krise, schlägt das Pendel nun zu Ungunsten der Hauskäufer aus.
Wolfgang Ischinger und Richard Holbrooke bei der Münchner Sicherheitskonferenz
Richard Holbrooke, der wahrhafte Amerikaner, hat viel für Deutschland getan. Als Botschafter in Bonn, als Friedensstifter in Bosnien, als Präsident Clintons Mann bei der UNO, als regelmäßiger Teilnehmer beim Münchener Sicherheitskongress, als Hüter der deutsch-amerikanischen Beziehungen in den schwierigen Bush Jahren–Holbrooke erkannte die Bedeutung Europas für Amerika. In den letzten zwei Jahren kämpfte er an dem hartnäckigsten Sicherheitsproblem unserer Zeit. Afghanistan und Pakistan, wo Bürgerkrieg und Kernwaffen die globale Schlagader zu zerreissen drohen—und damit auch Europa. Am Hindu Kush, in den Ländern rund herum, und in den Hauptstädten der Welt war Holbrooke unermüdlich unterwegs. Jetzt ist er gefallen. Read more »
Amerika ist nicht nur stark genug, die Veröffentlichung seiner Geheimnisse zu überstehen, es ist auch in der glücklichen Lage, diesen Skandal zum eigenen Vorteil zu nutzen.
1 Mit dem schwersten Angriff seit Ende des Koreakriegs 1953, haben die Regierenden in Pjöngjang der Welt gezeigt, wie schnell ein „eingedämmtes“ Problem eskalieren kann. Dieser Angriff zeigt auch, wie eine solche Krise die machtpolitischen Karten neu aufmischen kann. Plötzlich sind die Amerikaner bereit, den Super-Flugzeugträger „George Washington“ und seinen Verband ins Gelben Meer zu versenden—obwohl sie zuvor aus Respekt vor chinesischen Befindlichkeiten darauf verzichtet haben. Plötzlich meinen viele, dass das große China dafür verantwortlich ist, dass sein kleiner Vasalenstaat Nordkorea weiter so um sich schlägt. Read more »
Ein interessantes Fernseh-Experiment: Die drei Gäste Leïla Shahid, Avi Primor und Andrew B. Denison übernehmen die Positionen der Verhandlungsparteien Palästina, Israel und USA als Vermittler – Gastgeber Thomas Kausch hält sich komplett zurück, während die Gäste engagiert ihre Rollen ausfüllen.
Die lebhafte Personifizierung der moderierenden amerikanischen Position durch Andrew B. Denison brachte ihm ein Lob von Thomas Kausch ein: “Herr Denison, Sie werden mein Nachfolger hier bei Arte!”
2/7/2011: "Afghanistan - der verlorene Krieg"
Andrew Denison bei DW Gesprächsrunde Quadriga
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30/6/2011: "Deutschlandradio Kultur Internationales Pressegespräch
Andrew Denison kommentiert die amerikanische Presse zu der Afghanistan-Politik Obamas. (Sendezeit: 30.06.2011 12:42)
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2/5/2011: "Deutschlandradio Kultur Internationales Pressegespräch
Andrew Denison kommentiert die amerikanische Presse zum Tod von Bin Laden. (Sendezeit: 03.05.2011 12:42)
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2/5/2011: "Quadriga Spezial - Bin Laden ist tot - geht der Terror weiter?
Andrew Denison bei DW Gesprächsrunde Quadriga
Videostream:
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29/3/2011: "Obamas Rede zu Libyen" Internationales Pressegespräch bei Deutschlandradio Kultur
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25/3/2011: "Bomben auf Gaddafi--und was dann?" Auszüge einer Diskussion bei DW Quadriga in Berlin.
9/2/2011: Dr. Andrew B. Denison zu Gast bei Arte Thema "Mittelmeer in Aufruhr"
Studiogäste:
Tewfik Aclimandos
Agnès Levallois
Shimon Stein
Andrew Denison
19.01.11.
DW Radio: Der Drache und der Adler
USA versus China - Rivalen oder Partner? Wer hat im 21. Jahrhundert die Nase vorn?
Politikberater Andrew Denison und Politologe Gu Xuewu am 19.1.11.
MP3
"WikiLeaks - Verrat oder Aufklärung?"
Auszüge - Internationale Frühschoppen 5.12.10.
Tina Hassel diskutiert mit Sonia Mikich (WDR, Deutschland), Andrew Denison (Transatlantic Networks, USA), Aktham Suliman (Al Jazeera), Ming Shi (Deutsche Welle, China) und Dmitri Tultschinski (Ria Nowosti, Russland).